SSW-005: Sprechen und Gehirn – Wie Reden, Zuhören und Gefühle zusammenspielen
Wer zuhört, tut deutlich mehr, als es von außen aussieht. Im Gehirn ist dabei ausgerechnet die Region aktiv, die eigentlich für das Sprechen zuständig ist.
In der fünften Episode geht es um die neuronalen Prozesse beim Gespräch. Was passiert im Kopf, während wir reden und zuhören? Und was folgt daraus für all jene, die beruflich mit Sprache umgehen?
Dr. Elisa Franz und Dr. Hans Nenoff begrüßen Prof. Dr. Kerstin Kipp von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Sie ist Professorin für Sprechwissenschaft, hat die Berthold-Leibinger-Professur für Angewandte Rhetorik inne und leitet das Institut für Sprechkunst und Kommunikationspädagogik. Vor ihrer Zeit in Stuttgart hat sie in der Neuropsychologie geforscht und eigene EEG- und Kernspintomographie-Studien durchgeführt.
Wir sprechen über die Synchronisation zwischen Gehirnen, über Emotionen, die das Verstehen erleichtern und das Abwägen erschweren, sowie über die Frage, wo dabei die Grenze zur Manipulation liegt.
Wir fragen:
Was tun wir eigentlich, wenn wir miteinander sprechen?
Warum ist beim Zuhören das Broca-Areal aktiv, obwohl wir gar nichts sagen?
Wieso denken Zuhörende dem Gesagten voraus, und wieso verstehen sie es dadurch besser?
Was macht es mit uns, wenn jemand von seinen Zahnschmerzen erzählt?
Wie verändern Bedrohungsmetaphern die Aktivität in der Amygdala?
Warum belohnt uns das Gehirn dafür, wenn wir bei unserer Meinung bleiben?
Lässt sich am Gehirn ablesen, ob jemand beruflich spricht?
Am Ende räumt Kerstin Kipp mit einem hartnäckigen Mythos der Neurowissenschaften auf. Spiegelneuronen erklären längst nicht so viel, wie ihnen zugeschrieben wird.
Veröffentlichungen von Prof. Dr. Kerstin Kipp:
Kipp, K. H. (2016). Kommunikation und Hirnforschung. Was das Miteinandersprechen so einzigartig macht. Sprechen, 62, 9-17. http://www.bvs-bw.de/SPRECHEN/sprechen_62_2016_2.pdf
Kipp K. H. (2019). Sprechprofi oder nicht: Welchen Unterschied macht das in der Sprechweise? In: K. H. Kipp & M. Speer (Eds.). Sprechkultur. Sprache und Sprechen (Bd. 50), Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 56-72.
Kipp, K. H. & Pervan, M. (2024). Immer der passende Sound – oder wie Markus Söder seine Sprechweise der Situation und dem Publikum anpasst. Sprechen, 78, 40-51. http://www.bvs-bw.de/SPRECHEN/sprechen_78_2024_2.pdf
Kipp, K. H., Schenk, O., Hölzgen, J. & Schmid, R. (2024). Nähe und Distanz. Wirkung des Bildschirmabstandes in Videomeetings. Sprechen und Kommunikation, Zeitschrift für Sprechwissenschaft, 2024, 1–17. https://www.sprechwissenschaft.org/wissenschaft/naehe-und-distanz
Kipp, K. H., Syren, L., Springer, J., Schön, C. & Schmid, R. (2025). Gibt es einen Synchronton? Ein Vergleich von Original- und Synchronstimmen in romantischen Komödien. Sprechen, 80, 36-45. http://www.bvs-bw.de/SPRECHEN/sprechen_80_2025_2.pdf
Kipp, K. H., Hanenberg, J., Klinar, K., Tersek, E., Klemm, A. & Wehrum, H. (2026). The label effect in speech perception: Comparing AI-generated and human voices. Journal of Interdisciplinary Voice Studies, 11:1, pp. 9–27, https://doi.org/10.1386/jivs_00118_1
Hosts: Dr. Elisa Franz, Dr. Hans Nenoff
Technik & Produktion: Philipp Artmann
Verantwortlich: Deutsche Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS)