Erfahrungsbericht zum Fach Rhetorik

Das Fach Rhetorik war für mich eine besondere und vor allem neue Erfahrung in der Oberstufe. Rhetorik unterscheidet sich deutlich nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Art, wie gelernt wird, von anderen Schulfächern. Während in vielen Fächern hauptsächlich Wissen vermittelt wird, geht es im Rhetorikunterricht vor allem um Kompetenzen: um Sprache, Wirkung, Kommunikation und letztlich auch um Persönlichkeitsentwicklung.

Das Fach Rhetorik ist eine Bereicherung.

Besonders für Schüler:innen, die am Anfang eher zurückhaltend sind, wenn es ums Sprechen vor Gruppen geht, ist das Fach Rhetorik eine Bereicherung. Besonders spannend war dabei die Vielfalt der Projekte und Themen, die wir im Laufe der Zeit behandelt haben. Jedes Projekt hatte einen anderen Schwerpunkt, wodurch man sich auf ganz unterschiedliche Weisen mit Sprache und Wirkung auseinandersetzte.

Ein zentrales Projekt bildete der Poetry-Slam. Hier konnten wir eigene Texte schreiben und vortragen. Dabei ging es vor allem um kreative Ausdrucksformen, um Rhythmus, um das Spiel mit Sprache und Emotionen. In einem Rahmen, der ermutigt, war es für viele der erste bewusste Kontakt mit dem Sprechen vor Publikum.

Angeregt, den eigenen Ausdruck zu finden

Wir haben gelernt, wie man einen Text so vorträgt, dass er beim Publikum unter Einsatz von Stimme, Haltung und Blickkontakt ankommt. Das war für viele neu und meistens auch ungewohnt, größtenteils weil man persönliche Gedanken in eine kreative Form bringen und dann vor anderen präsentieren musste. Aber genau dadurch wurden wir dazu angeregt, uns mit Sprache intensiver auseinanderzusetzen und unseren eigenen Ausdruck zu finden.

Ein anderer Schwerpunkt wurde mit einem Projekt in der Art von der „Höhle der Löwen“ gesetzt, bei dem einige im Stil der bekannten Fernsehsendung ein selbst erdachtes Produkt präsentieren und verkaufen mussten. Dabei steht vor allem die Überzeugungskraft im Mittelpunkt: Wie baut man seine Argumentation auf? Wie spricht man potenzielle „Käufer“ gezielt an? Wie setzt man Stimme, Mimik und Körpersprache effektiv ein? Dieses Projekt zeigte uns, dass Rhetorik auch im wirtschaftlichen oder beruflichen Kontext eine Rolle spielt.

Reflektieren, wie Kommunikation funktioniert

Im Projekt „Werbung und Manipulation“ haben wir untersucht, wie Sprache und Bilder eingesetzt werden, um Menschen zu beeinflussen, sei es durch gezielte Wortwahl, emotionale Bilder oder unterschwellige Botschaften. Anschließend haben wir in Gruppen selbst Werbespots entworfen, in denen bestimmte Manipulationsstrategien bewusst eingesetzt wurden. Dabei ging es nicht nur um unsere Kreativität, sondern auch um das reflektierte Bewusstsein, wie unsere Kommunikation funktioniert und wie leicht wir durch Sprache gelenkt werden können.

Ein interessanter literarischer Zugang zur Sprache ergab sich durch unsere Arbeit mit den „Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling. Hier haben wir einzelne Szenen vorbereitet, interpretiert und anschließend selbst szenisch umgesetzt. Dabei stand die Frage im Raum, wie Satire funktioniert, wie Ironie und gesellschaftliche Kritik durch Sprache vermittelt werden und wie wichtig richtiges Timing und Betonung bei solchen Texten sind. Das war nicht nur unterhaltsam, sondern auch rhetorisch sehr anspruchsvoll, weil wir gleichzeitig interpretieren und inszenieren mussten.

Ein anderer zentraler Bereich des Unterrichts stellten Reden und Argumentationen dar. Wir haben unter anderem politische Reden geschrieben und vorgetragen, dabei gelernt, wie man eine klare Gliederung aufbaut, wie man ein Thema strukturiert behandelt und das Publikum gezielt damit anspricht. Dabei analysierten wir verschiedene Redetypen und Textsorten. Das Spektrum reichte von klassischen Reden über Kommentare bis hin zu journalistischen Texten.

Zwischenmenschliche Kommunikation analysieren und verstehen

Auch die theoretischen Grundlagen kamen nicht zu kurz. Wir haben verschiedene Kommunikationsmodelle (wie z. B. das von Schulz von Thun) und deren Bedeutung für zwischenmenschliche Kommunikation besprochen. Diese Modelle halfen uns zu verstehen, warum es zu Missverständnissen kommt, wie Kommunikation durch Haltung, Situation, Tonfall oder auch unausgesprochene Erwartungen beeinflusst wird. Das klang für mich erst einmal langweilig, half aber tatsächlich dabei, Gespräche im Alltag besser einzuordnen: sei es in Konfliktsituationen, in Diskussionen oder im privaten Umfeld.

Besonders hilfreich war in dem Zusammenhang auch der Bezug zu unserem Debattierwettbewerb. Hier konnte man das im Unterricht Gelernte direkt anwenden: den Aufbau einer überzeugenden Argumentation, den Umgang mit Gegenargumenten, das spontane Reagieren und vor allem das strukturierte und sachliche Sprechen vor Publikum. Es war für uns deutlich zu spüren, wie uns die Übungen im Rhetorikunterricht nicht nur inhaltlich darauf vorbereitet haben, sondern auch für Selbstbewusstsein und Präsenz hilfreich waren.

Schritt für Schritt wachsen und selbstsicherer werden

Ich würde mich selbst als eher zurückhaltend bezeichnen. Vor anderen zu sprechen, insbesondere vor größeren Gruppen, fiel mir nie besonders leicht. Deshalb war ich am Anfang auch etwas unsicher, was mich im Rhetorikunterricht erwarten würde. Rückblickend kann ich aber sagen, dass es genau diese Herausforderung war, die mir geholfen hat, ein Stück über mich hinauszuwachsen. Ich habe gelernt, dass es nicht darum geht, besonders laut, extrovertiert oder „perfekt“ zu sein, sondern darum, sich auf die eigene Art und Weise mit Sprache auseinanderzusetzen und selbstsicherer zu werden – Schritt für Schritt.

Was mir der Rhetorikunterricht insgesamt gebracht hat, merke ich somit vor allem in Situationen, die ich früher eher gemieden hätte. Ich bin nicht plötzlich zum Bühnenprofi geworden, aber ich habe gelernt, strukturierter zu argumentieren, mich klarer auszudrücken und auch mit Nervosität besser umzugehen. Gerade in Diskussionen oder Gruppenarbeiten fällt es mir leichter, meine Meinung zu vertreten.

Ein Fach zum Üben und Ausprobieren - im geschützten Rahmen

Rhetorik ist kein Fach, in dem man auswendig lernt. Es ist ein Fach, in dem man übt, ausprobiert, reflektiert und besser wird, und das auf eine sehr praktische Art. Ob im Bewerbungsgespräch, im Studium, in Diskussionen oder einfach im Alltag: Ich merke, dass ich gelernt habe, klarer zu sprechen, bewusster zu formulieren und selbstsicherer aufzutreten. Man denkt mehr darüber nach, wie man etwas sagt, und auch darüber, was beim Gegenüber ankommt.

Abschließend kann ich also sagen, dass Rhetorik ein Fach ist, das mehr bietet, als man auf den ersten Blick denkt. Es geht nicht nur ums „Reden“, sondern darum, sich selbst weiterzuentwickeln, bewusster mit Sprache umzugehen und sich auch in ungewohnten Situationen zurechtzufinden. Besonders für Schülerinnen und Schüler, die sich beim freien Sprechen eher unsicher fühlen, ist dieses Fach ein guter Raum, um sich in einem geschützten Rahmen auszuprobieren und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.











Ronja Meier, 12b, 27.05.2025

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