Nachruf

Zum Tode von Dr. Marita Pabst-Weinschenk

Am 12. Januar 2026 verstarb unsere Kollegin Dr. Marita Pabst-Weinschenk. Über Jahrzehnte prägte sie das Fach und die DGSS. 24 Jahre umfasste ihre Vorstandstätigkeit in verschiedenen Funktionen als Schriftführerin, Schatzmeisterin, 2. und 1. Vorsitzende.

Sie war Mitglied im Beirat und der Wissenschaftskommission und begleitete auf diesem Weg viele Weichenstellungen unseres Verbandes. Posthum ehrte sie die DGSS für ihre Verdienste mit der Ehrenmitgliedschaft.

Das Studium der Pädagogik, Psychologie, Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, Kunsterziehung und Didaktik der Mathematik an der PH Rheinland in Neuss sowie das Studium der Sprecherziehung bei Elmar Bartsch legten ihre fachlichen Grundlagen, 1993 folgte der Abschluss der Promotion.

Ihr beruflicher Weg führte Marita durch verschiedene Aufgabenstellungen: Sie arbeitete als freiberufliche Kommunikationstrainerin, z. B. war sie seit 1980 Mitglied in der Trainerfakultät des HERNSTEIN Internationale Management Institute der Kammer der gewerblichen Wirtschaft, Wien für inner- und überbetriebliche Seminare zu Rhetorik, Präsentationstraining, Veränderungsmanagement und die „Frau als Manager“.

Marita hatte Lehraufträge an verschiedenen Universitäten, lehrte an der Fachschule für Logopädie in Essen und ab 1999 bis zu ihrem Ruhestand 2021 mit fester Stelle an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Bereich Didaktik der deutschen Sprache und Literatur mit dem Schwerpunkt Mündlichkeit. Dort leitete sie auch die Prüfstelle der DGSS. 

Sie vertrat mehrere Professuren in Lüneburg, Düsseldorf und München und war bei vielen Tagungen der DGSS und deren Landesverbände willkommene Referentin. Von 2006-2017 war sie Lehrbeauftragte im berufsbegleitenden Studiengang „Master of Speech Communication and Rhetoric in Sprechwissenschaft und Sprecherziehung“ an der Universität Regensburg.

Maritas Veröffentlichungsliste umfasst mehr als 150 Titel, darunter auch die „Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung“ (2. überarb. Auflage 2011). Als Herausgeberin initiierte sie damit eine bis heute aktuelle und nützliche Darstellung des Gesamtfaches. Viele nutzen auch ihre Entwicklung der „Redepyramide“, die die kommunikativ relevanten Ebenen der Kommunikation anschaulich systematisiert.

Mit der Wahl ihres Dissertationsthemas („Erich Drachs Konzept der Sprechkunde und Sprecherziehung. Ein Beitrag zur Theorie und Geschichte der Sprechwissenschaft“) legte sie den Grundstein für eine wichtige Facette ihrer fachlichen Ausrichtung:

Die Geschichte unseres Faches und deren Erforschung lagen ihr sehr am Herzen, auch wenn sie mit einzelnen Thesen bei einem besonders prominenten Fachvertreter Widerspruch auslöste (H. Geißner: „Über die Anfänge der Sprechkunde. Maritas Drach-Legende“, sprechen 1/94, S. 34–47).

Ihr umfassendes Wissen zur Fachgeschichte setzte sich in vielen Bereichen fort, z. B. mit ihrem Beitrag dazu auf der DGSS-Homepage.

Nur wenige wissen vermutlich von Maritas Schaffen im Ausland: Im Mai 2022 hielt sie zum Beispiel in Italien im Rahmen der Seminarreihe „Progetto comunicazione digitale“, die zu den Initiativen des Exzellenz-Status der Universität Modena gehörte, einen Vortrag mit dem Titel: „Digital Humanities: Student Generated Content – Examples from German Online Courses / Studentisch erstellte Inhalte – Beispiele aus deutschen Online-Kursen“ (Mitteilung von Prof. Dr. Ulrike Kaunzner). Die Idee zu diesem Beitrag war zuvor auf einer DGSS-Tagung mit Marita besprochen worden; sie erklärte sich sofort bereit, ihre fachlichen Erfahrungen einzubringen.

Seit 2009 (= Heft 47) war Marita Redaktionsmitglied der Zeitschrift „sprechen“ und seit 2022 Mitherausgeberin der DGSS-Online-Zeitschrift „Sprechen & Kommunikation“.

Vor ca. zwei Jahren gründete sich das SpreWiki-Team – Marita, Roland Wagner, Margarete Huber und Brigitte Teuchert –, um besonders engagierte Personen der Fachgeschichte auf elektronischer Basis vorzustellen und Links, Ton- und Videobeispiele zur Verfügung zu stellen. Marita trug ganz wesentlich zum Erfolg des Projektes bei und konnte bis kurz vor ihrem Tode intensiv mitarbeiten. Ihre akribischen Recherchen und ihr Engagement machten viele Fortschritte erst möglich und stellen einen wichtigen Teil ihres wissenschaftlichen Vermächtnisses dar.

Leider traten in den letzten Jahren immer mehr gesundheitliche Probleme auf. Mehrfach musste Marita ins Krankenhaus, weitere Reisen unterblieben. Letztendlich konnte das multiple Organversagen nicht mehr verhindert werden.

Liebe Marita, dein enormer Einsatz für unser Fach, deine Zuverlässigkeit und deine menschliche Zugewandtheit werden uns immer im Gedächtnis bleiben – vielen Dank für alles!

Dr. Brigitte Teuchert und Roland W. Wagner