Beeindruckend wortakrobatisch.
Schlagfertig intelligent.
Sympathisch einschüchternd.
Ende September diesen Jahres hatten wir, die Studierenden der Sprecherziehung/Sprechwissenschaft der Prüfstelle Münster,
das Vergnügen den Nestor unseres Faches, Prof. (em.). Dr. Hellmut Geißner, kennenzulernen. Glücklicherweise bedeutet
Kennenlernen in unserem Fall, dass wir ihn kurzzeitig als Lehrenden in einem Blockseminar,
das ein miteinander Lernen bedeutete, erleben durften.
Unsere Stimmung im Vorhinein kann sich als gespannt, aufgeregt und eingeschüchtert beschreiben lassen.
Als wir unseren vertrauten Seminarort, die Studiobühne, betraten, kam uns ein vitaler, sympathischer, warmherziger,
verschmitzter älterer Mann entgegen, der es sofort gekonnt verstand, die Situation aufzulockern. Als es losging, war es
das ausdrückliche Anliegen Hellmut Geißners, ein Gespräch zu führen und keinen Vortrag zu halten.
Dieser Wunsch war nicht leicht zu erfüllen, denn unsere Stimmung war bis dahin noch immer eher ehrfürchtig:
Wir wollten einen Vortrag, wir wollten Hellmut Geißner sprechen hören, seine Gedanken verstehen.
Unser Wunsch wurde auch erfüllt, zumindest am ersten Tag. Am zweiten Tag mussten wir selbst aktiv werden:
"Es darf selbst gedacht werden." (H.G.) Dies taten wir beim Diskutieren in 5-Satz-Form und in einer Amerikanischen Debatte.
Das ist die Form unseres Erlebens von Hellmut Geißner. Die Gedanken, die Eindrücke, die wir hatten und noch
haben, sind viel mehr. Wir haben alle zuvor viele wissenschaftliche Texte Geißners gelesen, nach den zahlreichen
Gesprächen mit ihm, auch außerhalb des Seminars, haben wir den Eindruck, seine Gedanken, seine Thesen verstanden
zu haben, die uns im Nachhinein als einheitliches, großes Ganzes erschienen. Hellmut Geißner als politischer Mensch
konnte uns vermitteln, dass politisches Denken überall stattfindet und hat uns Demokratie und liberales Denken in diesen
zwei Tagen in beeindruckender Weise vorgelebt. Dieses Denken steht auf einem festen Fundament, ist aber dennoch zeitlos,
weshalb wir immer wieder zum Selber-denken aufgefordert wurden. Dies haben wir danach getan und wir müssen wohl nicht
erwähnen, dass wir dies auch zukünftig tun werden.
Vielleicht könnte man viele von uns nun als Geißnianer bezeichnen. Dass wir diese Tage miterleben durften,
verdanken wir nicht nur Hellmut Geißner selbst, sondern vorwiegend Annette Lepschy, die uns durch ihre Freundschaft zu
Geißner dieses Seminar ermöglicht hat.