Zusätzlich zur vorliegenden Online-Fassung steht für Sie auch die für den Audruck optimierte PDF-Ausgabe (1,2 MB) bereit.
In dieser Ausgabe finden Sie den Call for Papers für die DGSS-Jahrestagung 2012. Sie befasst sich mit dem Thema "Spiel und Kreativität in der Sprecherziehung" und findet vom 04.-07.10.2012 in Otzenhausen statt. Außerdem enthält sie das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung. Die neu gewählten Mitglieder des Vorstands stellen sich vor. Hellmut K. Geißner spannt einen weiten zeitlichen Bogen und beschreibt den Weg von der "Sprechkunde" über die "Sprechwissenschaft" bis hin zur "Kommunikationspädagogik". Außerdem u. a.: Hinweise auf weitere interessante Fachveranstaltungen, einen Bericht, über die Einrichtung eines "Kompetenzzentrums für kommunikationspädagogisches Lernen" im Saarland, Glückwünsche zum 65. Geburtstag von Christa Heilmann und ein Nachruf auf unser Ehrenmitglied Annemargret Sarnow. Und zum Schluss die Bunte Ecke.
Alle älteren Ausgaben der DGSS @ktuell und alle Ausgaben des Vorgängerorgans "Mitteilungen" von 2001-2006 finden Sie im DGSS @ktuell-Archiv.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe DGSS-Mitglieder,
die nördlichste Tagung der DGSS diesen Herbst in Flensburg brachte für viele nicht nur neue geographische Eindrücke, sondern war auch fachlich äußerst gewinnbringend. Professor Hartwig Eckert als Tagungsleiter hat es verstanden, der Veranstaltung inhaltlich und atmosphärisch einen fesselnden und heiteren Rahmen zu geben: dafür nochmals ganz herzlichen Dank!
Roland Wagner, unterstützt von Norbert Gutenberg, plant bereits die nächste Tagung im kommenden Jahr vom 4.-7. Oktober 2012 in Otzenhausen zum Thema „Spiel und Kreativität in der Sprecherziehung“. Der Call for Papers wird Sie mit diesem Heft erreiche. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele von Ihnen an dieser Thematik Interesse hätten.
Während der Flensburger Tagung fanden Neuwahlen statt; die meisten Vorstandsmitglieder werden dankenswerter Weise ihre Ämter fortsetzen und damit für Kontinuität sorgen. Frau Prof. Dr. Christa Heilmann kandidierte nicht erneut für den 1. Vorsitz, da sie mit Erreichen des 65. Lebensjahres 2012 aus ihrer Hochschultätigkeit ausscheidet. Danke für all Deine Arbeit!!
In der Nachfolge von Christa Heilmann wünsche ich mir, mit möglichst vielen Mitgliedern in Kontakt treten zu können und hoffe, dass Sie für Sie wichtige berufspolitische Anliegen an mich herantragen. Nur gemeinsam können wir die Inhalte unseres Faches und die Positionierung im Fächerkanon anderer Disziplinen weiterentwickeln.
Mit den besten Grüßen

Die DGSS-Mitgliederversammlung hat am 17.09.2011 in Flensburg einen neuen Vorstand gewählt. Im Amt bestätigt wurden Dr. Marita Pabst-Weinschenk (2. Vorsitzende), Sieglinde Eberhart (Beisitzerin), Mareike Claus (Schriftführerin) und Björn Meißner (Kassenwart). Bis Redaktionsschluss lagen uns nur die Vorstellungen der neuen 1. Vorsitzenden Dr. Brigitte Teuchert und der neuen Beisitzerin Franziska Trischler vor. Informationen zu den übrigen Vorstandsmitgliedern entnehmen Sie bitte der DGSS @ktuell 4/2009, S. 4-7, in der sich alle damals gewählten Vorstandsmitglieder vorstellten:
Dr Brigitte Teuchert, 1. Vorsitzende

Leiterin des weiterbildenden, berufsbegleitenden Masterstudienganges "Speech Communication and Rhetoric" Universität Regensburg
Sprecherzieherin (DGSS), Germanistik, Geographie, Staatsexamen, Promotion 1982 an der Universität Regensburg
25
Jahre sowohl als selbständige Trainerin tätig als auch an der Universität Regensburg. Seit 6 Jahren Schwerpunkt in der Universität mit der Leitung des Masterstudienganges.
Inhaltliche Schwerpunkte:
Kontakt: vorsitzdgssde
Franziska Trischler, Beisitzerin

Seit 2004 bin ich Mitglied der DGSS und fast von Anfang an in Gremien der DGSS aktiv. Von 2005 bis 2008 war ich im Vorstand der Studierenden, hauptsächlich als studentische Vertreterin in der Berufskommission, und wurde nach meinem Studienabschluss 2009 als "reguläres" Mitglied auf der Tagung in Düsseldorf in die Berufskommission der DGSS gewählt. Auf der Mitgliederversammlung der DGSS in Flensburg im September 2011 wurde ich zur 2. Beisitzerin in den Vorstand gewählt und bin gespannt und in Vorfreude auf meine neuen Aufgaben.
Nach meinem Abitur in München, studierte ich zunächst ein Jahr lang Psycholinguistik und Theaterwissenschaft an der LMU in München, bis es mich 2003 der Sprechwissenschaft wegen nach Landau in der Pfalz zog. Dort habe ich bei Prof. Henner Barthel und Dr. Francesca Vidal Sprechwissenschaft (im Magister-Hauptfach), sowie katholische Theologie und Germanistik (im Nebenfach) studiert.
Von 2009 bis 2010 arbeitete ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Norbert Gutenberg an der Universität des Saarlandes in einem Projekt zur Hochschuldidaktik und habe seither eine Stelle als Sprecherzieherin an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Darüber hinaus bin ich seit 2004 freiberuflich im Bereich Kommunikationspädagogik und Moderation, sowie künstlerisch als Sprecherin und Schauspielerin tätig.
Theoretisch interessiere ich mich besonders für den Bereich ästhetische Kommunikation, für Rhetorik in der Fach- und Hochschuldidaktik und für Fragen der rhetorischen Ethik.
Publikationen:
Kontakt: beisitz2dgssde
Von Hellmut K. Geißner
Vortrag auf Einladung des Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland der DGSS, gehalten am 27.08. 2011 im Campus Landau der Universität Koblenz-Landau (vgl. Bericht unter "Neuigkeiten in Kürze")1
Während bei meinem Studienbeginn die Inhalte der Studienfächer Philosophie, Griechisch und Latein, Germanistik klar waren, blieben Inhalte und Ziel der Sprechkunde unklar. Das gleichzeitige Studium dieser Fächer verlangte einen Spagat. Schon Cicero hatte beklagt diese "unsinnige, nutzlose und tadelnswerte Trennung gleichsam zwischen Zunge und Gehirn, die dazu führt, daß uns die einen denken, die anderen reden lehrten"2.
Zwischen 'Zunge und Gehirn' – als ob es ein hirnloses Sprechen gäbe (wenngleich manche – nur häufiger Politiker – diesen Eindruck erwecken), weniger verwunderlich ist 'stummes' Denken. Allerdings meinte schon Kant: "Allein wieviel und mit welcher Richtigkeit würden wir wohl denken, wenn wir nicht gleichsam in Gemeinschaft mit anderen, denen wir unsere und die uns ihre Gedanken mitteilen, dächten."3 Das Paradox sollte für die Sprechenden einseitig gelöst werden, indem die Physiologie des Sprechapparates trainiert wurde, die 'Zunge' ohne Hirn, der 'Kehlkopf' ohne Kopf. Auf der anderen Seite blieb die 'Arbeit im Kopf' ohne Beachtung der Äußerungsformen, durch die das Gedachte und Gefühlte den Mitmenschen mitgeteilt wird. Die fundamentale Tatsache, dass Sprechen immer Ausdruck von Gedanken ist, – die Grundauffassung von 'speech' – wurde ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass nach Mauthner "zu den Sprechwerkzeugen auch das Gehirn gehört"4. Auf diese Weise konnte der 'tadelnswerte', wenn vielleicht auch manchmal kunstvolle Spagat nicht normalisiert werden.
Das Sprechen läuft leer, wenn nicht Hörende berücksichtigt werden. Hören läuft leer, wenn es nicht um Verstehen des Gehörten geht. Folglich kann es nur gehen um das Wechselverhältnis sprechen : verstehen, das heißt aber verstehen : sprechen in den Formen dieser Äußerung. Wilhelm von Humboldt meinte: "Verstehen und Sprechen sind nur verschiedenartige Wirkungen der nämlichen Sprachkraft."5
Doch warum das 'zu Verstehende' idealisierend nur an Sprechen binden? Wichtig sind im Leben auch Schreiben und Verstehen, Tanzen und Verstehen, Singen Verstehen, Malen und Verstehen, Raumbilden und Verstehen… Warum das zu Verstehende an Sprache, gar nur an einen Sprecher binden? Das Wechselverhältnis ist nicht zu reduzieren auf den je Einzelnen. Schon an der Oberfläche des Verstehens, erst recht im Tiefenverstehen zeigt sich, dass es immer um Versuche geht, etwas gemeinsam zu machen, um Kommunikation. Gemeinsam machen, was der/die Einzelne nicht verwirklichen kann: Erlebtes, Gedachtes, Erhofftes, Gewünschtes … Kommunikation als der Versuch von in der gemeinsamen Welt Lebenden einen für sie möglichen Sinn zu konstituieren.
Es wurde deutlich, dass jeder Ansatz beim Sprechen unzureichend ist, sei er biologisch wie in den 20er Jahren (bald biologistisch instrumentalisiert) oder individualpsychologisch. Eine zureichende Grundlage kann nur gefunden werden im Miteinandersprechen der vergesellschafteten Menschen in ihrer sozialen Wirklichkeit. Dieser sozialpragmatische Ansatz der Kommunikation hat im Gespräch als verständigungsorientiertem Handeln seinen prototypischen Gegenstand.
Genau überlegt hat der Gedankengang gezeigt, Sprech- in der Fachbezeichnung ist eine begriffliche Überanstrengung. Folgerichtig war die Grundlage des Faches dann (zunächst noch) bestimmbar als "Sprechwissenschaft – Theorie der mündlichen Kommunikation"6.
Wird jedoch die gesamte kommunikative Kompetenz (mehr nach Hymes als nach Habermas) berücksichtigt, dann geht es nicht nur um 'sprachliche' Kompetenz, dann ist z.B. Text nicht nur kohärent Schriftliches, sei es funktional oder fiktional, sondern auch Bild-Text in Film, Fernsehen, Internet oder Raum-Text in einem Gebäude-Ensemble, in einem Körperspiel. Es geht dann um die Kompetenz der Performanzen, offline mit allen Sinnen. So betrachtet ist auch 'mündlich’ wiederum eine reduzierte Kompetenz, folglich mündliche Kommunikation als Bestimmung der wissenschaftlichen Grundlage, erneut eine begriffliche Überanstrengung. Deshalb waren erneut Transformationen erforderlich, die der 'Sprech'-Wissenschaft in Kommunikationstheorie und die der 'Sprech'-Erziehung in Kommunikationspädagogik.7
Woher kam die Fehleinschätzung mit 'sprech-' und warum konnte sie sich so lange halten? Nach dem Ende des II. Weltkriegs war – abgesehen von der unsäglichen NS-Rhetorik – keine brauchbare Fachliteratur vorhanden. Deshalb wurde nach 1945 wie in vielen Fächern angeknüpft an (vermeintlich) Unverdächtigem aus der Zeit der Weimarer Republik. Für Sprechleute hieß das: Anknüpfen an Erich Drachs "Sprecherziehung. Pflege des gesprochenen Wortes in der Schule", erschienen 1922 als Band 3 des 'Handbuchs der Deutschkunde'. Dieser 'Führer zu deutscher Schulerziehung' erklärt zugleich die Eingemeindung der Sprecherziehung in die
völkisch basierte Deutschkundebewegung, die, vom Völkischen entschlackt, zur Deutschdidaktik wurde.8 Unbeachtet blieb lange Zeit, dass dieses merkwürdige Buch von Drach Auflage um Auflage an die braune Ideologie angepasst worden war. Drach bot eine griffige Zusammenfassung all dessen, was schon Jahre vorher – etwa im (10-bändigen) Handbuch der Pädagogik von Rein – kapitelweise dargestellt war: Aussprache, Gespräch, Lesen, Vortrag, Stimmbildung… Auch die Herleitung aus der 'Deutschkunde' war nicht originell, hatte Klaudius Bojunga sie doch bereits 19139 proklamiert; sie umfasse "Sprache, Schrifttum und Kunst; Sitte, Weltanschauung und Recht; Stammesart, Volksart und Staat; Landschaft, Wirtschaft und Wohnung". Vor Ausbruch des Krieges waren diese Inhalte des Deutschunterrichts noch in der Euphorie von 1871 proklamiert, nach der Niederlage 1918 als Appell völkischer Zukunftshoffnung. Aufgenommen wurde Bojungas 1921 veröffentlichter genauer Plan für den deutschen Sprachunterricht in die Richertschen Richtlinien für die 'Deutsche Oberschule'. Drach als ehemaliger Schauspieler hat, so scheint es, die früher im Schauspielunterricht üblichen physiologischen Lernschritte mit Aufgaben des Deutschunterrichts verbunden. Schon früh meldete sich Widerspruch. Wilma Mönckeberg, Lektorin an der Universität Hamburg, schrieb bereits 193010:
"Wenn man die Bücher von Drach, die seiner Schüler und Mitarbeiter liest, so könnte man glauben, Sprecherziehung gehörte bereits zum festen Lehrbestand unserer Schulen …
Im ganzen Reich gibt es nicht eine Schulart, ja nicht eine einzige Schule, die Sprecherziehung von der untersten bis zur obersten Klasse durchgeführt und systematisch eingebaut hat."
Daran hat sich – soweit ich sehe – bis heute nichts geändert. Carl Ludwig Naumann stellte vor Kurzem fest: "Seit über 80 Jahren steht die Sprecherziehung draußen vor dem Schultor und fragt Warum ist die Schwelle so hoch?"11
Mönckeberg erklärte sich den Zustand wie folgt:
"Die weitaus meisten Pädagogien und Schulbehörden ... sehen die Grundlage einer Sprecherziehung noch immer in einer phonetisch-hygienischen Sprechtechnik. Drach schreibt in seiner Sprecherziehung: 'Hygienische Sprechtechnik heißt die unterste Stufe, sinnvolles Wortgestalten die nächste, freie Rede die höchste, deren jede auf der vorausgehenden sich aufbaut.'"
Das ist der Quellsatz für den berühmt-berüchtigten Stufenbau, der noch heute mancherorts die Lehre bestimmt,12 obwohl schon Mönckeberg meinte:
"Meiner Ansicht nach wächst keine dieser Stufen aus der anderen hervor. Das richtig intonierte, wohlartikulierte Wort bietet nicht die geringste Handhabe für ein ausdrucksvolles, lebendiges Sprechen, sondern bedeutet für nicht Wenige die Gefahr, sprechtechnisch zu erstarren, die eigene natürliche Sprechweise zu verlieren und an seine Stelle ein lautreines Sprechschema zu stellen. Trotz bester Artikulation kann der Sprecher sinnlos sprechen, trotz völlig verkehrter Tonbildung kann er außerordentlich sinnvoll und ausdrucksstark sprechen."
Es ist unverständlich, dass dieser 'Stufenbau' ausgerechnet im Deutschunterricht Urständ feiern soll. Christian Winkler jedoch meinte schon 1954: "Da Kinder bei der Einschulung bereits sprechen können, ist es weder nötig noch wünschenswert … ihre Sprechleistung in einem Lehrgang der Atem-, Stimm- und Lautbildung systematisch aufzubauen."13 Sie können sprechen. Oft nicht schön, aber laut. Sie sprechen meistens ihre Mundart. Sie lernen nun ein 'besseres’ Deutsch. Dieses bessere, das sog. 'lautreine' Deutsch ist zwar nichts fürs Schreiben, aber wichtig fürs Lesen. Das Lesen verbessert die Ausdrucksmöglichkeit. Das kommt dem Aufsatzunterricht zugute. Was Schüler darin nicht selbst ausdrücken können, lesen sie in der Dichtung. Manchmal lesen sie auch schön vor. Dabei geht es nicht um 'Sprechkunst'. Wenige lernen dann noch 'reden' nach alten Mustern. 'Gesprächsfähigkeit' fordern nur die neueren Lehrpläne, aber 'Gespräch' erforderte einen anderen Unterricht. Keinen Stufenbau, sondern Kommunikation, eben: Kommunikationspädagogik.
Zur Überwindung der 'tadelnswerten Trennung von Zunge und Gehirn' hilft kein lautreines, wortreiches Sprechen, denen, die doch nichts zu sagen haben. Nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes traf Kurt Masur, der Chef des Gewandhausorchesters in Leipzig, den Nagel auf den Kopf: "dass ich eine Sprecherziehung hinter mir habe und jetzt deutlich aussprechen kann, heißt nicht, dass ich etwas auszusagen habe!"14
Das veränderte Grundverständnis forderte auch eine andere Sprecherziehung; sie war zunächst entworfen als "Didaktik und Methodik der mündlichen Kommunikation"15. Schon damals gab es keine 'natürliche', keine notwendige Verbindung zwischen (Sprech)wissenschaft und (Sprech)erziehung. Forschungsergebnisse können pädagogisch fruchtbar werden, selbst wenn sie es werden, dann nicht zwingend schulpädagogisch. Deshalb wurden damals beide Bereiche in zwei Büchern getrennt. Wichtiger war mir, den obsoleten Stufenbau nur im Anhang der 'Sprecherziehung' zu beschreiben – nach Meinung der Kritiker: ihn dorthin zu 'verbannen' – weil er nicht allgemein gilt, nur für bestimmte Prozesse (therapeutische, berufsspezifische, fremdsprachliche) abgerufen werden kann. Es gibt eben keinen 'Doppelpack': Die Wissenschaft muss nicht pädagogisch werden, schon gar nicht schulpädagogisch, der Stufenbau führt weder zur Wissenschaft noch zur Kunst. Es ist ein Irrglaube, Wissenschaft an Lehrbarkeit zu koppeln. Wenn Gespräch zentral ist, dann hat das Konsequenzen für die Gesprächsfähigkeit und Gesprächsverstehensfähigkeit der Lehrenden und der Lernenden. Diese Transformation gilt auch, aber nicht nur für 'deutsche' Sprachdidaktik und Literaturdidaktik. Sie gilt für Kommunikationspädagogik in allen Fächern. Nirgends geht es um jenen Stufenbau, wichtig wird dabei vielmehr die Methode "dialogisches Lernen"16.
Was jedoch geschehen kann, wenn unbeweglich auf die längst unvermeidlichen Transformationen 'verzichtet' wird, erzählt folgende Geschichte:
"Ein Student schlief in einer Mathe-Vorlesung ein und schlief 25 Jahre. Er kam wieder zu sich, als man sphärische Trigonometrie diskutierte. Da floh er erneut und geriet in den Chemiesaal, aber auch da verstand er nichts. Er flüchtete weiter und fand den alten Übungsraum der Sprecherziehung – setzte sich, lächelte zufrieden und sagte: 'Gott sei Dank! Hier hat sich nichts geändert.'"17
Wie lange hätte er schlafen können in Westdeutschland? Wie lange in Ostdeutschland? Wo und wie lange noch heute?
Die Geschichte stammt von 1967!
Diese Geschichte verlangt einiges 'Insiderwissen', um den Studenten und die im Grunde makabre Komik der Situation verstehen zu können. Wie aber geht es mit der folgenden Situation? Wer, der nicht zur Sprechsekte gehört, kann einen Unterschied erkennen zwischen einer 'Sprechschule', in der ma-me-mi-mo-mu und Unsinnsverse von Hey oder Refisch chorisch zelebriert werden und Loriots 'Jodelschule'?
Die Situationskomik der Fälle lässt fragen, ob es keine verlässliche Theorie gegeben hat, die derlei Missverständnisse hätte verhindern können. Offensichtlich war die theoretische Basis schwach. Vom Beginn des 20. Jahrhunderts an wird Fachtheoretisches als Kunde gesammelt. Es geht, wie zuerst Martin Seydel in seiner "Stimmkunde"18 sagte, nicht um selbstständiges, wissenschaftliches Arbeiten, sondern um Anleitungen für die Praxis. Auch die folgende schulpädagogisch verengte, Drach folgende Sprechkunde hat vorwiegend Ergebnisse aus Bezugswissenschaften gesammelt: physiologische, phonetische, psychologische, poetische, leider fast keine pädagogischen – für die 'Anwendung', vorwiegend im Deutschunterricht. Dieses Verfahren blieb im Allgemeinen unwidersprochen, bis ein Außenseiter, Jörgen Forchhammer, 1951 den Frieden störte mit seinem Buch "Allgemeine Sprechkunde (Laletik)"19, das die Sprechkundler auf den Plan rief. In der ZS für Phonetik verteidigten sie ihre, die vorher geschilderte, Position. Aber wieso 'Laletik', fragte ich mich? Im Fremdwörterbuch von Heyse (1873) findet sich 'Laletik' mit der Erklärung: "Sprechkunde, Sprechlehre"20 (Sprechlehre und Sprechlehrer waren übrigens zunächst die üblichen Fach- und Berufsbezeichnungen). Die genauere Bedeutung von 'Laletik' ergab sich aber aus seinem Wortfeld: 'lalein' (unartikuliert reden, lallen), 'lalos' (Schwätzer) – (Plutarch schrieb: die Affen und Hunde 'lalousin' [lauten unartikuliert} zwar, aber 'ouk phrazousin' (sprechen aber
nicht.). Insofern stellte sich für mich die Frage: Sprechkunde oder Laletik. Ich mischte mich 1954 in die Kontroverse ein, veränderte (teils ironisch) die beiden Grundbegriffe und meinte, es gehe letztlich um: Lall-Kunde oder Sprech-Ethik.21 Mit 'Lallkunde' hab ich mich zum ersten Mal gegen die stufenbauende ASL-Sprecherziehung gestellt, mit 'Sprechethik' formuliert, was mich nachhaltig beschäftigt hat; zuletzt in 'Über dialogische Ethik'22.
Es war im Grund erstaunlich, dass Forchhammers Buch die Zunft beunruhigte. Wie die Fachgeschichte zeigt, gab es genügend andere Anlässe. Wichtig vor allem ist die Begründung der Sprechkunde durch Ernst Otto23. Er bestimmte in seiner 'Grundlegung der Sprachwissenschaft' (!) "Sprechkunde als funktionelle Forschung". Ihr Gegenstand sei 'das Sprechen als Vorgang'. Sprachkunde sei 'evolutionelle Forschung' und ihr Gegenstand 'die geschichtlich gewordene Sprache'. Otto beschrieb bereits sehr präzis Besonderheiten des 'sprecherischen Ausdrucks':
"Unter Stimmführung (musikalischer Akzent, Intonation, Satzmelodie, Stimmmelodie, Sprechmelodie, Tonfall) versteht man die Modulation der Tonhöhe im Unterschied von der Tonstärke des (dynamischen) Akzents. Dazu kommt noch die sogenannte Stimmlage. Auch quantitative Unterschiede des Zeitmaßes (Tempos) der Rede sind hier in Betracht zu ziehen. [...] Zu beachten sind Lage und Länge der Pausen und entsprechend der etwaige Eintritt von Bindungen zwischen zwei Worten."24
Doch Otto betrachtet den Sprechausdruck zugleich in seiner syntaktischen Funktion:
"Allgemein können Stimmführung und Pause […] als syntaktisches Beziehungsmittel […] zur Kennzeichnung der eigentlichen Mitteilung gelten; (denn) die Stimmführung zeigt in eindeutiger Weise an, ob ein Aussage-, Frage- oder Befehlssatz vorliegt."25
Entscheidend für Ottos Sprechkunde ist jedoch, dass er meint, es könne 'erst von Sprache im eigentlichen Sinne die Rede sein', wenn sie nicht nur Ausdruck sei, sondern ein "Mittel der Verständigung", mit dem Menschen versuchten, "sich einander mitzuteilen"26.
Drach übernahm nur den Namen 'Sprechkunde', aber erst Jahre später gab er zu, dass er den Namen von Otto 'geborgt' habe. Aufs Ganze gesehen ist Otto jedoch zu jener Zeit viel weiter und als Gründer der Sprechkunde zu betrachten. Ihn selbst, der nicht zur Deutschkundebewegung gehörte, hat die theoretische Fundierung stärker beschäftigt als die schulpädagogische Umsetzung in eine Sprecherziehung oder die Gründung eines Sprech-Vereins. 1934 entwarf er – dieses Mal im Gegensatz zur 'Sprachwissenschaft', die Phonologie, Semasiologie und Syntax erforsche – ein Konzept der Sprechwissenschaft27 als "Lehre vom Sprechakt", die Phonetik, Semantik und Syntaktik zu erforschen habe. Doch die akademischen Sprechkundler nahmen in der Euphorie der NS-Verordnungen, die die Sprecherziehung verbindlich in die Schule einbauten, den Wandel der Begründung ihrer Tätigkeit in einer Sprechwissenschaft nicht zur Kenntnis. Sie blieben bei ihrer Sprechkunde.
Diese parteipolitisch (nur?) motivierte Blindheit hat es offenkundig nicht zugelassen, sich intensiv mit Ernst Otto auseinanderzusetzen, noch gar mit Meinungen und Forschungsansätzen, die noch älter waren; obwohl schon damals 'Transformationen' notwendig gewesen wären. Den Terminus 'Sprechwissenschaft' verwendete C.R. Henning bereits 1899,28 von den Einflüssen der Sprechsituation in der rollentypischen Verständigung schrieb Philipp Wegener 1885,29 von der hörerbezogenen Tonmodulation als "Stimmungsmimik"30. Es ist unerhört, dass unerhört blieb, 'Was Sprachwissenschaftler von Sprechen und Hören wussten, ehe es eine Sprechwissenschaft gab.'31 Erst Christian Winkler entdeckte Karl Bühlers 'Sprachtheorie' von 193432 (kaum Bühlers Arbeiten zur Satzlehre seit 1918). Wenn bedacht wird, mit welchen Ergebnissen welcher Wissenschaften die Sprechkundler sich nicht beschäftigt haben, dann ist es auch kaum verwunderlich, dass sie immer, z. T. bis in die Gegenwart an deutsche Sprechkunde festgehalten haben, was freilich die Klammer zum Deutschunterricht bildete. Nur Walter Wittsack hat einmal den Unterschied zwischen deutscher, allgemeiner und vergleichender Sprechkunde beschrieben,33 wenngleich auch er bei der 'deutschen' geblieben ist. Mag 'deutsch' auch die Bindung an die eigene, eben deutsche Sprache – nicht nur damals verklärt: Muttersprache – bezeichnen, es blieb eine schwache Basis sogar für den Deutschunterricht. Längst waren andere Felder des Miteinandersprechens sozial und politisch wichtig geworden, zumal in der nach Weimar zweiten deutschen Demokratie. Soziale Felder, die es nicht nur in deutschen Landen gab, sondern 'allgemein', nicht nur, wenn auch zumeist, in der westlichen Welt. Felder, die eine transnationale, eine interkulturelle, eine 'vergleichende' Forschung forderten. ('allgemein' nicht nur bezogen auf die Biologie der Menschen.)
Wie unangemessen die im Deutschunterricht üblichen Methoden waren, zeigte sich deutlich in der Arbeit mit Erwachsenen im 1968 gegründeten IRM (Institut für Rhetorik und Methodik der politischen Bildung) an der Europäischen Akademie Otzenhausen.34 Die Teilnehmenden aus ganz verschiedenen Berufen und Lebenslagen suchten Möglichkeiten, ihre soziale Isolierung zu überwinden, um mit Anderen gemeinschaftlich handeln, d.h. konkret: etwas bewegen zu können. In diesen demokratischen Grundkursen ging es um rhetorische Kommunikation; mehr "Gesprächsrhetorik"35 als (traditionelle) Rederhetorik. Auf jeden Fall war da (in den 20 Jahren meiner dortigen Tätigkeit) kein Bedarf an ASL-Sprecherziehung. Oft ging es jedoch darum, undemokratische Strukturen – in Schulen, Kirchen, Armee, Verwaltung, Parteien – zu durchschauen und in neuer Kooperativität, auch 'subversiv', gegen sie vorzugehen.
Auch im 1968 (von Casmir für die SCA und Geißner für die DGSS) gegründeten ICC (International Colloquium on Communication) ging es um andere soziale Felder, andere Forschungs- und Lehrmöglichkeiten. 'Am deutschen Wesen', auch nicht am Deutschunterricht, kann die Welt nicht genesen. In den vielen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen (aus USA, Deutschland, Finnland, Dänemark, Frankreich, Belgien, Österreich, Schweiz, Nordkorea, Ukraine, Polen …) diskutierten wir – zuletzt 2010 beim 21. ICC an der Universität in Wien – Forschung und Strukturanalysen als Voraussetzung von Veränderungen; ASL oder Ähnliches war jedoch nie ein Thema. In den Vereinigten Staaten hat sich der 1914 gegründete Fachverband bald von 'Englisch' gelöst,36 wurde selbstständiges Promotions- und Schulfach und heißt nach Beschluss der Mitgliederversammlung seit 1970 'Speech Communication Association', bzw. seit einigen Jahren ganz ohne 'speech' zur Unterscheidung von ICA (International Communication Association) jetzt NCA (National …). In den über 20 Zeitschriften des Verbandes ist dies (selbst aus 'Speech Teacher' wurde 'Communication Education') zu verfolgen, sind Ergebnisse der Forschung kennen zu lernen.
Die 'discipline' – wie Herman Cohen sagte – hat sich verändert: Schreiben für Theater, Aufführungspraxis, Schreiben für Radio, Film und Fernsehen, Videoanalyse, Managementtheorie, Genderkommunikation, Gruppengespräch, Argumentation, Moderation, Gesundheitskommunikation – alles intra- und interkulturell, bei der amerikanischen Bevölkerung auch interethnisch. Die Diversifikation war nicht mehr unter den Obertitel 'speech' zu subsummieren. Selbst im, was die 'discipline' anlangt, unterentwickelten Europa wäre es ein aussichtsloses, im Grunde törichtes Unterfangen, sämtliche Bindestrichlinguistiken, Sektoralrhetoriken, Sektoral¬phone¬tiken, Poetologien, die verschiedenen Gesprächsforschungsmethoden … unter dem 'Dach der Sprechwissenschaft' (welcher?) vereinigen zu wollen. Ehemals von ihr beanspruchte Gebiete, waren keine 'Domänen', werden längst von anderen Disziplinen mit Erfolg bearbeitet; es sind keine 'feindlichen Übernahmen'; denn dazu hätte es etwas 'Übernehmenswertes' geben müssen. Historisch ist die Idee einer 'übersummativen Sprechwissenschaft' widerlegt.
Was in unmittelbarer Kommunikation, face-to-face, funktioniert, lässt sich nicht in die mediale Kommunikation übertragen, weder in die Print- noch die AV-Medien, noch ins Internet. Zwar hat Walter Ong als Folge der technologischen Entwicklung 1987 eine (wenn auch schriftgebundene, AV-vermittelte) zweite Oralität beschrieben.37 Doch die wurde bald überholt von einer zweiten Literarität, die z.B. Katrin Welch beschrieben hat.38 Welche Transformation bleibt nun möglich in a digital age?39 Vor 20 Jahren warnte John Deethard bereits die 'lehrende Profession' vor selbstillusionärem Beharren: "If communication education has failed at producing Literacy One, it can now fail at a higher level in attempts to produce Literacy Two."40 Doch jetzt geht es nicht mehr nur um Kommunikationspädagogik in den 'Multimedia', sondern um kommunikationstheoretische Grundlagen einer Medienkonvergenz. Es geht um die Durchlässigkeit der 'messages' in Zeitung, Rundfunk, Fernsehen, Internet …
Unter diesem Gesichtspunkt sind zwei Transformationen aus jüngster Zeit wichtig.
Kommunikationstheoretisch sind verstärkt erforderlich: Strukturanalysen, Rekonstruktionen sowohl der gelingenden wie von Fällen der misslingenden Kommunikation in allen Formen der Medien und in allen Bereichen der Mediengesellschaft.
Kommunikationspädagogisch geht es weiterhin um die Entwicklung der kognitiven und emotionalen Ausdrucksformen zur gemeinsamen Bewältigung der sozial notwendigen Verständigung.
Die Transformationen gehen weiter.
Mit einem Gedanken von Cicero habe ich angefangen, um die gelungenen, die misslungenen und die 'vermiedenen’ Transformationen kurz darzustellen; denn ohne Transformationen wird dieses Fach nie eine akademische 'Disziplin'. Mit einem anderen Gedanken von Cicero möchte ich aufhören:
"... denn nicht zu geringe Einsicht ist schmählich, sondern das törichte und lange Festhalten an der zu geringen Einsicht.”
Fußnoten
1"in 60 Jahren": Genau gezählt sind es 2011 sogar 65 Jahre; denn meine Sprecherzieherprüfung im Oktober 1949 war der Abschluss des im SS 1946 begonnenen Sprechkunde-Studiums.
2de oratore III,61
3Kant WW IV, 363
4F. Mauthner, 1906: ‘Die Sprache’. Frankfurt/Main, 11
5Motto der Reihe ‘sprechen und verstehen’
6H. Geißner, 1981: Sprechwissenschaft - Theorie der mündlichen Kommunikation. (2. Aufl. 1988) Frankfurt/Main
7ab Bd. 14, 1998 der Reihe ’sprechen und verstehen’. Schriften zur Kommunikationstheorie und Kommunikationspädagogik (statt ‘Schriften zu Sprechwissenschaft u. Sprecherziehung‘). St. Ingbert; bzw. H. Geißner, 2000: Kommunikationspädagogik. Transformationen der ‚Sprech’-Erziehung. St. Ingbert
8E. Drach, 1922: Sprecherziehung. Frankfurt/Main; 6. Aufl. 1941
9K. Bojunga, 1913: Die Gestaltung des deutschen Unterrichts; in: ZS f. d. deutschen Unterricht. 9. Ergänzungsheft, 18-39
10in: Monatsschrift f. höhere Schulen 1930, 418-424
11C.L. Naumann, 2004; in: Sprache u. Sprechen. Bd. 42, 37-46
12vgl. H. Geißner, 2009: Gibt es einen Stufenbau von stimmlich-sprecherischen zu künstlerischen Leistungen? Ein kritisch Zwischenruf, in: DGSS @ktuell 4/2009, 14-16
13C. Winkler, 1954:Deutsche Sprechkunde und Sprecherziehung, 410
14am 28.2.2009 in einer Mendelsohn-Sendung
15H. Geißner, 1982: Sprecherziehung – Didaktik und Methodik der mündlichen Kommunikation. (2.Aufl.1986) Frankfurt/Main
16B. Thiel, 2009: Dialogisches Lernen im Unterricht; in: sprechen H.1, 55-65
17The Communicative Arts and Sciences of Speech (K. Brooks, ed.) 1967, 581 – Meine hier zitierte Übersetzung der Geschichte ist veröffentlicht in: DGSS @ktuell 1/2010, 25 18M. Seydel, 1909: Grundfragen der Stimmkunde. Leipzig
19J. Forchhammer, 1951: Allgemeine Sprechkunde (Laletik), Heidelberg. und ders., 1953: Was ist Sprechkunde? In: ZS f. Phonetik 7. Jg.1/2, 146
20Heyse, 1873: Allgemeines Fremdwörterbuch. Hannover, 519
21vgl. H. Geißner, 1954: ‘Sprechkunde’ und ‘Laletik’. Ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit Jörgen Forchhammer; in: ZS f. Phonetik 8.Jg. H.3/4, 255-258
22Rhetorica XIII, 1995, 443-453
23vgl. E. Otto, 1919: Zur Grundlegung der Sprachwissenschaft. Bielefeld und Leipzig.
24ders., 113
25ders., 134
26ders., 143
27E. Otto, 1934: Sprachwissenschaft; in: Indogermanische Forschungen L II, 174-195
28vgl. C. R. Henning, 1899: Lerne gesundheitsgemäß sprechen. Übungen zur Pflege der Sprechorgane. Nebst kurzer Einführung in das Wesen der Sprechkunst. Wiesbaden
29vgl. Ph. Wegener, 1885: Untersuchungen über die Grundfragen des Sprachlebens. Halle
30G. v. d. Gabelentz, 1891: Die Sprachwissenschaft. Leipzig
31H. Geißner, 1997; in: Hallesche Schr. z. Sprechwissenschaft u. Phonetik Bd.2, 90-99
32K. Bühler, 1934: Sprachtheorie. Jena
33vgl. W. Wittsack, 1932: Studien zur Sprechkultur der Goethezeit. Berlin, XVIII, Anm.12
34vgl. H. Geißner, 1975: Rhetorik und politische Bildung. (3.Aufl.1986) Frankfurt/Main
35H. Geißner, 1996: Art. Gesprächsrhetorik; in: HWbRhet. Bd. 3, 953-964
36vgl. H. Cohen, 1995: The History of Speech Communication: The Emergence of a Discipline, 1914-1945. Annandale, VA
37vgl. W. Ong, 1987: Oralität und Literarität: Die Technologisierung des Wortes (dt). Opladen
38vgl. K. Welch, 1999: Electric Rhetoric. Classical Rhetoric, Oralism, and a New Literacy. Cambridge, MA
39vgl. B. Warnick, 2002: Critical Literacy in a Digital Age. Maliwah, NY
40J. Deethardt, 1982: A Future for Speech Communication; in: Comm. Quarterly 30, 274
41vgl. B. Thiel, 2009: Dialogisches Lernen im Unterricht. In: SPRECHEN, Heft 1/2009.
42vgl. M. Pabst-Weinschenk/B. Thiel, 2009: Dialogisch lernen im Seminarfach. Handbuch für Kommunikation und wissenschaftliches Arbeiten.
43E. Slembek, 21995: Lehrbuch der Fehleranalyse und Fehlertherapie. Deutsch hören, sprechen und schreiben. Für Lernende mit griechischer, italienischer, polnischer, russischer und türkischer Muttersprache. Heinsberg
44Cicero de inventione II,9
Hellmut K. Geißner, geb. am 7. 3. 1926 in Darmstadt (Sprecherzieher-Prüfung 1949), lebt nach Tätigkeiten an den Universitäten Frankfurt/Main, Saarbrücken und Koblenz-Landau (Campus Landau) als Emeritus in Lausanne am Genfer See. Von 1968-1991 zeichnete er als Herausgeber für die DGSS-Reihe „Sprache und Sprechen“ verantwortlich (Bd. 1-25). Er ist Ehrenmitglied der DGSS.

DGSS-Jahrestagung 2012
"Spiel und Kreativität in der Sprecherziehung"
Terrmin: 04.-07.10.2012
Ort: Otzenhausen
Call for Papers - Wir bitten um Beiträge!
"Spiel und Kreativität in der Sprecherziehung" -Dabei geht es sowohl um Spiel und Kreativität im Lehrlernzielbereich der Sprecherziehung (ästhetische Kommunikation, Sprechkunst) als auch um sprecherzieherische Methodik, die Spiel und Kreativität für andere Teilfächer nutzt.
Das Rahmenthema erlaubt es, aus allen Bereichen unseres Faches Interessantes zu präsentieren.
Deshalb bitten wir ausdrücklich um Workshops, in denen Sie die kreativ-spielerischen Aspekte Ihrer Arbeit demonstrieren.
Was wir den Beitragenden anbieten können, orientiert sich am bisher gepflegten Standard der DGSS und ähnlicher Gesellschaften. Sie bekommen den Tagungsbeitrag erlassen und erhalten angemessene Publikationsmöglichkeiten für Ihren Beitrag.
Alle potentiellen Beitragenden bitten wir, sich bis Ende 2011 formlos bei einem Mitglied des Vorbereitungsteams zu melden (am besten per E-Mail). Wir senden Ihnen dann ein Formblatt, in das Sie Ihre konkreten Vorstellungen und Wünsche eintragen können. Unsere Adressen:
Prof. Dr. Norbert Gutenberg, Universität des Saarlandes, Postfach 151150, 66041 Saarbrücken;
E-Mail: n.gutenbergmx.uni-saarlandde
Roland W. Wagner, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Keplerstr. 87, 69120 Heidelberg;
E-Mail: wagnerph-heidelbergde
Veranstaltungen der Landesverbände
Bis Redaktionsschluss erreichten uns folgende Veranstaltungshinweise:
Mitteldeutscher Verband für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (MDVS)
Berufsverband Sprechen Baden-Württemberg (BVS)
DGSS-Forum der Studierenden 2012
Termin: 17.-20.05.2012
Ort: Regensburg
Ort und Thema werden in „DGSS @ktuell“ und im DGSS-Veranstaltungskalender bekanntgegeben, sobald der Vorstand der Studierendenvereinigung uns diese Informationen zur Verfügung stellt. Weitere Informationen erhalten Sie außerdem auf der Seite der Studierenden:
Externe Veranstaltungen
Große Resonanz auf Vortrag "Transformatioen"
Unser Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland teilt mit:
Anlässlich seiner Mitgliederversammlung in Landau lud der Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland der DGSS e. V. Hellmut Geißner, seinerzeit Professor der Universität in Landau, zu einem Vortrag ein.
Schon der Titel "Transormationen. Erfahrungen aus 60 Jahren." signalisiert, dass hier erfahrener Überblick und gekonntes Entwickeln und Vernetzen für den umfassenden Themenbereich „Sprechwissenschaft undSprecherziehung“ gefragt waren.

Hellmut Geißner stellte dar, wie sich in den 60 Jahren, die er miterlebt hat, die 'Sprechwissenschaft und Sprecherziehung' von einem "deutschdidaktischen Anhängsel" zu einer kommunikationswissenschaftlich begründeten relevanten Disziplin in der Mediengesellschaft wandelte. Der Vortrag berichtete über persönliche Erfahrungen mit diesen Transformationen: in der Organisation des Faches, den theoretischen Grundlagen und der – nicht nur schulischen – Praxis.
Fast 60 Personen erschienen zum Vortrag: ehemalige Kollegen der Universität, viele Doktoranden von Hellmut Geißner, Interessenten aus anderen Landesverbänden und eine Vielzahl verbandeigener Mitglieder. Die sich anschließende rege Diskussion erstreckte sich über fast eineinhalb Stunden. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bertram Thiel und Gabriel Ptok, welche hierbei auch das Lebenswerk von Hellmut Geißner würdigten.
Weitere Informationen und Fotos sind auf der Webseite des Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland der DGSS dargestellt.
Das Vortragmanuskript finden Sie weiter oben dieser Ausgabe von DGSS@ktuell.
"Kompetenzzentrum für kommunikationspädagogisches Lernen" gegründet
Unser Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland teilt mit:
Im Saarland wurde mit Beginn des Schuljahres am Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) das Kompetenzzentrum für kommunikationspädagogisches Lernen gegründet. Das LPM repräsentiert und organisiert die Lehrer(innen)fortbildung in diesem Bundesland. Der neue Leiter dieser Institution, Herr Bernd Schäfer, stellteden maßgeblichen Antrag und begleitete nachhaltig die entsprechenden Gespräche mit dem Bildungsministerium.
Die Rahmenbedingungen gestalteten sich zudem sehr positiv: Der saarländische Bildungsminister Klaus Kessler ist für innovative Projekte bekannt und hatte sich zum Amtsantritt u. a. auch die Förderung des kompetenzorientierten Unterrichtens auf die Fahnen geschrieben. Der für das LPM zuständige Leiter des Referats B1 (allgemeinbildende Schulen) Dr. Michael Ernst begrüßte die Gründung des Kompetenzzentrums und bereitete die notwendigen verwaltungsbezogenen Schritte im Einvernehmen mit dem Leiter des LPM vor. Thomas Alt, Leiter des Bildungsreferates C4 für berufsbildende Schulen, unterstützt diese Einrichtung durch Gewährungen von entsprechenden dienstlichen Abordnungen (geplant sind für Führung des Kompetenzzentrums in der Projektphase eine Drittel Lehrerstelle für Herrn Thiel und Frau Biskup).
Vorausgegangen sind viele erörternde Gespräche des Leiters des LPM mit Bertram Thiel (Vorsitzender der Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland der DGSS e. V.) und seiner Kollegin Anna-Elisabeth Biskup. Beide unterrichten am kaufmännischen Berufsbildungszentrum in Neunkirchen und machen seit Jahren durch ihren erfolgreichen dialogischen Unterrichtsansatz auf sich aufmerksam. Sie bilden gemeinsam Referendar/innen aus und führen interessierte Kolleg/innen in die kommunikationspädagogische Unterrichtspraxis ein. Bertram Thiel ist zudem seit 17 Jahren am LPM als Dozent für Unterrichtskommunikation und Arbeitsmethodik sowie Lernen im Dialog tätig.
Als Besonderheit wird das Kompetenzzentrum an der Stammschule von Frau Biskup und Herrn Thiel räumlich etabliert. Dort können mit Einverständnis des Schulleiters Rainer Hemminger, welcher dem Dialogischen Unterrichtsansatz an seiner Schule sehr aufgeschlossen gegenübersteht, auch Beratungen und Schulungen stattfinden. Zudem wird es möglich sein, interessierte Kolleg/innen mit in den (eigenen) Unterricht zu nehmen.
Dies schafft neue Perspektiven und Möglichkeiten für die nachhaltige kollegiale Fortbildung.
Die systemische Dimension der Fortbildung richtet sich an
Für die Optimierung der Mündlichen Kommunikation werden Module der bereits entwickelten Konzeption "Lernstandards für Mündliche Kommunikation im Unterricht" angeboten. Teilnehmende, die alle neun Module erfolgreich absolvieren, können dabei auch ein Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung DGSS e.V. erwerben. Diese Kooperation von Seiten des LPM mit der DGSS besteht bereits seit 2004 (www.dgss.de/zertifikate).
Zum Zeitpunkt der Redation dieser Ausgabe vonDGSS @ktuell befindet sich noch Vieles in der Entstehungsphase. Weitere Informationen werden in einer der kommenden Ausgaben ncoh veröffentlicht.
Bertram Thiel
Ergänzende Informationen
PD Dr. Kerstin Reinke zur apl. Professorin am Herder-Institut der Universität Leipzig berufen
Unser Landesverband Sachen/Sachsen-Anhalt/Thüringen (MDVS) teilt mit:
Dem MDVS-Mitglied PD Dr. phil. habil. Kerstin Reinke wurde Mitte November der Professorentitel verliehen. Wir gratulieren sehr herzlich und freuen uns mit ihr.
Die Habilitationsschrift „Zur Wirkung phonetischer Mittel in sachlich intendierter Sprechweise bei Deutsch sprechenden Russen“ erschien 2008 als Band 26 der „Halleschen Schriften zu Sprechwissenschaft und Phonetik“:
Liebe Christa,
zu Deinem 65. Geburtstag am 6.11.2011 gratuliere ich Dir von Herzen auch im Namen der DGSS.
Du kannst auf ein äußerst erfolgreiches berufliches Leben zurückschauen: 1972 Promotion in Sprechwissenschaft in Halle, umfangreiche universitäre Tätigkeiten an Hochschulen unter dem Regime der DDR, Ausreiseantrag und Übersiedelung 1987 in die BRD, Übernahme der sprechwissenschaftlichen Stelle an der Universität Marburg, 2001 dann die Habilitation und schließlich 2005 eine außerplanmäßige Professur an der Universität. Wer die Hochschullandschaft kennt, weiß, was Du damit geleistet hast.
Diese dürren Daten werfen jedoch nur ein unzureichendes Licht auf Deine Person: Deine umfangreiche Publikationsliste zeigt Dein enormes Engagement für das Fach, der Frauenförderpreis, den Du 2004 von der Universität verliehen bekamst, aber auch weit darüber hinausgehenden Einsatz.
Deine langjährige Tätigkeit als Leiterin des wissenschaftlichen Beirates und die vergangenen beiden Jahre als 1. Vorsitzende der DGSS signalisieren, wie intensiv Du auch fachpolitisch die Sprechwissenschaft vorangebracht hast.
Deshalb kann ich mich in Regensburg sehr glücklich schätzen, dass Du als Dozentin im berufsbegleitenden Masterstudiengang jedes Jahr bereit bist, zu den Themen „Gender“ und „Wissenschaftliches Arbeiten in der Sprechwissenschaft“ als Dozentin Dein Wissen zur Verfügung zu stellen. Jedes Jahr aufs Neue werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Deine Seminare als „Highlights“ bewertet. Dies zeigt, dass Du nicht nur schriftlich-theoretisch wichtige Themen aufgreifst, sondern auch als Dozentin begeisternd lehren kannst.
Danke für all Dein Engagement; ich hoffe, dass Dein 65. Geburtstag Dich nicht davon abhält, dauerhaft weiterhin so aktiv für die Belange des Faches einzutreten.
Ich habe unsere abendlichen Gespräche in Regensburg oder bei Tagungen immer sehr genossen – sie waren fachlich und persönlich eine große Bereicherung.
Mit den allerbesten Wünschen – Gesundheit, Glück und Erfolg
Deine
Brigitte
<p">(Dr. Brigitte Teuchert, 1. Vorsitzende DGSS)</p">
Am 1. September 2011 verstarb unser Ehrenmitglied Annemargret Sarnow.
Annemargret Sarnow wurde am 22.06.1925 auf Usedom geboren. Sie legte 1948 die Erste und 1951 die Zweite Lehrerprüfung ab. 1952 schloss sich die Fachprüfung für Musikerzieher an. Von 1945-1954 arbeitete sie an verschiedenen Orten als Grundschullehrerin. Nach ihrem Examen in Sprecherziehung begann 1954 ihre Tätigkeit als Sprecherzieherin am Pädagogischen Institut Leipzig, der späteren Pädagogischen Hochschule, wo sie ohne Unterbrechung bis 1991 arbeitete, von 1960 bis 1990 als Leiterin des selbständigen Lektorats Sprecherziehung.
Annemargret Sarnow hatte maßgeblichen Anteil an der Verankerung des Faches Sprecherziehung in der Lehrerbildung der DDR sowie an der Erarbeitung der fachwissenschaftlichen Lehrprogramme für diesen Teil des Studiums. Generationen von Lehramtsstudierenden wurden von ihr stimmlich und sprecherisch beraten und auf ihren Beruf vorbereitet.
Neben ihrer Arbeit als Sprecherzieherin galt ihr besonderes Interesse der sprechkünstlerischen Arbeit. Von 1954-1992 erarbeitete sie mit ihrer Sprechergruppe, bestehend aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen und Semester, vielfältige themen- und anlassbezogene literarisch-musikalische Programme und organisierte ungezählte Aufführungen, die die kulturell-künstlerische Atmosphäre der Hochschule maßgeblich mitprägten sowie das kulturelle Angebot der Stadt Leipzig und der Region bereicherten. Dieser Arbeit entsprangen zahlreiche Veröffentlichungen zur sprechkünstlerischen Arbeit: Dokumentationen, didaktische Hinweise, Programmvorschläge für die Fest- und Feiergestaltung.
Ein weiteres wichtiges Themengebiet ihrer Arbeit war die Phonetik der deutschen Sprache. Annemargret Sarnow konzipierte und leitete seit 1961 die phonetische Ausbildung von Deutschlehrer/-innen in den Internationalen Deutschlehrerkursen in Halle und Leipzig, sie lehrte über Jahrzehnte deutsche Phonetik in Qualifizierungskursen für Deutschlehrer im Ausland, insbesondere in der ČSSR, in Polen, Ungarn, der UdSSR und Italien.
Sie arbeitete in Forschungsprojekten und Fachkollegien mit, u. a. im Projekt "Phonetik für Ausländer". Sie entwickelte, sowohl für den internen als auch für den öffentlichen Gebrauch, ungezählte Lehr- und Übungsmaterialien, die entweder auf konkrete Ausgangssprachen bezogen oder aber für Sprecher/-innen verschiedener Herkunftssprachen konzipiert waren, oder sie war wesentlich an ihrer Entwicklung beteiligt, wie z. B. am Lehrbrief "Phonetik lehren und lernen" sowie an den Lehrprogrammen "Phonetik der deutschen Sprache" und "Phonothek interaktiv".
Daneben entwickelte Annemargret Sarnow spezielle phonetische Übungsprogramme für Muttersprachler und agierte bei der Herstellung von Tonträgern für Lehrmaterialien und Übungsprogramme als Sprecherin.
Auch nach ihrer Pensionierung setzte Annemargret Sarnow die Arbeit auf dem Gebiet der Phonetik für Nichtmuttersprachler bis ins hohe Alter fort. So gab sie von 1991 bis 2008 in der Leipziger Gesellschaft für Bildung und Arbeit regelmäßig Kurse zur Phonetik der deutschen Sprache, zur Landeskunde, zum deutschen Liedgut, gestaltete gemeinsam mit den Deutschlernenden literarisch-musikalische Programme. Außerdem unterrichtete sie dort in berufsvorbereitenden Förderkursen, z. B. für Mediziner oder Handwerker, zu den Themen Aussprache fachspezifischer Lexik und sprecherische Varianten in unterschiedlichen berufsbezogenen Kommunikationssituationen.
Im Akademiezentrum des Bildungswerkes der Sächsischen Wirtschaft leitete sie von 1991 bis 2002 Seminare, Gruppen- und Einzelübungen zum tätigkeitsbezogenen Stimm- und Sprechtraining, vorwiegend in Bildungsmaßnahmen zum Telefonmarketing.
Darüber hinaus war sie in den Jahren 2002-2009 als Vorlesepatin in einer Leipziger Kindereinrichtung tätig.
Alles, was Annemargret Sarnow tat, tat sie mit außerordentlicher Energie, mit Phantasie, mit Frische, mit Begeisterung. In ihrer beispielhaften Einsatzbereitschaft und ihrem unermüdlichen Suchen nach neuen Wegen, in ihrem Nicht-zufrieden-Sein mit Erreichtem, mit Erprobtem vergaß sie häufig die Zeit. Sie stellte hohe Anforderungen an sich, an die Qualität ihrer Arbeit. Gleiches erwartete sie ganz selbstverständlich von ihren Mitarbeitern. Neben ihrer reichen Erfahrung und ihrem soliden fachlichen Niveau war dieses selbstverständlich Fordernde Antrieb und Bereicherung für die Menschen an ihrer Seite.
Wir verlieren mit Annemargret Sarnow eine außerordentlich verdienstvolle Kollegin, eine Sprechwissenschaftlerin, die mit Hingabe für unser Fach arbeitete, die unsere Arbeit ungemein bereichert hat.
Siegrun Lemke
Freitag, 17.09.2011 (20.40 Uhr – 22:45 Uhr
Anwesend: je nach Zeitpunkt bis zu 51 stimmberechtigte Mitglieder
Tagesordnung:
Die Erste Vorsitzende, Christa Heilmann, begrüßt die anwesenden Mitglieder.
Es folgt ein Gedenken an die seit der letzten Mitgliederversammlung verstorbenen Mitglieder.
Christa Heilmann gibt bekannt, dass das Mitglied Sabine Seggelke das Bundesverdienstkreuz für ihren Einsatz als Grüne Dame erhalten hat.
TOP 1: Feststellung der Tagesordnung
Kai Busch stellt einen Dringlichkeitsantrag zur Festanstellung der Geschäftsstellenmitarbeiter (statt Honorarverträge).
Norbert Gutenberg erwidert, dass keine Dringlichkeit besteht, da der Vorstand sich klar gegen eine Festanstellung entschieden hat und eine Beteiligung der Mitgliederversammlung nur bei Festanstellung zu erfolgen hat.
Es folgt daraufhin eine Abstimmung mit dem Ergebnis:
Der Antrag ist damit abgelehnt, da für eine Aufnahme in die Tagesordnung eine 2/3-Mehrheit nötig wäre.
Die Tagesordnung wird im weiteren einstimmig angenommen.
TOP 2: Genehmigung des Protokolls
Das in DGSS @ktuell 4/2009 veröffentlichte Protokoll wird einstimmig genehmigt.
TOP 3:Rechenschaftsberichte
Bericht der Ersten Vorsitzenden:
Seit der letzten Mitgliederversammlung sind 48 Austritte und 60 Eintritte zu verzeichnen.
Das Fach Sprechwissenschaft wurde in die „Karte der kleinen Fächer“ aufgenommen (www.kleinefaecher.de).
Der Landesverband Berlin/Brandenburg wurde geschlossen, nachdem mehrere Versuche die Mitglieder zum satzungskonformen Mitarbeiten in den Gremien zu bewegen, gescheitert waren. Es wird angestrebt, einen neuen Verband für die Region Nord-Ost (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein) zu gründen. Alle Mitglieder der DGSS, die in diesen Regionen leben, sind herzlich zur Mitwirkung an diesem Prozess eingeladen.
Der Relaunch der Homepage wurde im Frühjahr 2011 vollzogen. Christa Heilmann dankt explizit Kai Busch und Mareike Claus für ihren Einsatz.
Eine neue Prüfungsordnung wurde durch die Wissenschaftskommission erstellt. Diese verfolgt zwei Aufgaben: zum einen soll die neue Prüfungsordnung dem jungen Themenbereich "Kommunikation und Mediengesellschaft" gerecht werden, zum anderen soll sich damit der Modularisierung angenähert werden. Die einzelnen Module können nun an mehreren Prüfstellen abgelegt werden, was für die Studierenden eine Vergrößerung des Studienangebots bedeutet.
Unser Newsletter DGSS @ktuell wird durch die VG Wort als Fachzeitschrift gelistet, so dass Zugriffe auf Artikel dort nun gezählt und theoretisch auch vergütet werden (wenn die entsprechenden Zugriffsgrenzen überschritten werden sollten). Das Überschreiten der Zugriffsgrenzen ist bei der derzeit recht kleinen Leserschaft zwar unrealistisch, aber es ist eine beachtenswerte Anerkennung der Autoren und ihrer Arbeit. Die Druckversion wurde zusätzlich überarbeitet und richtet sich nun am Design der Homepage aus. Die alten Jahrgänge der Papierversionen werden nach und nach digitalisiert, um ein möglichst vollständiges Archiv zu erhalten.
Die jetzige Situation in der DGSS stellt eine Verjüngung der Gesellschaft da. Der DGSS-Abschluss hat sich gewandelt, es gibt viele verschiedene Varianten und Differenzierungen. Der Wissenschaftsaustausch ist damit noch wichtiger geworden, um die gemeinsame Grundlage immer wieder in den Fokus zu rücken. So ist eine berechtigte Frage, die sich die gesamte DGSS stellen darf, ob wir alle vom gleichen Berufsbild ausgehen. Die DGSS st durch den Wandel für einige vielleicht nicht mehr ganz so viel Heimat (was zum Teil als Grund für Austritte benannt wird). Ein weiterer Austrittsgrund ist ein scheinbar fehlender Nutzen, wobei kritisch zu bemerken ist, dass Nutzen eine subjektive Wahrnehmung ist. Nur wenn ich die
gemachten Angebote auch annehme, können sie mir überhaupt nutzen.
Zum Abschluss ihres Berichtes formuliert Christa Heilmann ihre Vision für die Zukunft der DGSS: Sie wünscht sich (1) eine stärkere Vernetzung der Studiengänge, (2) dass Unzufriedenheiten mit der Gesellschaft, ihren Gremien oder Mitgliedern lösungsorientiert formuliert werden, (3) dass alle
am Corporate Design mitarbeiten und die verbindende Berufsbezeichnung nutzen, Die Stärkung des Wir-Gefühls sollte Leitidee für die Arbeit in der DGSS sein.
Christa Heilmann bedankt sich bei allen Mitgliedern, die mitdenken und stützen.
Bericht des Kassenwarts:
Björn Meissner berichtet, dass während der letzten Amtszeit insgesamt vier Konten existieren:

Einnahmen (in €):

Bericht des Vorsitzenden der Wissenschaftskommission:
Neben der Arbeit an der Prüfungsordnung hat sich die WiKo der Leseliste und verschiedenen Fachdebatten gewidmet.
Außerdem wurde ein Wissenschaftspreis entwickelt. Dieser wird diesmal nicht vergeben, da der potentielle Preisträger nicht zur Tagung kommen konnte.
Bis 2016 konnte bereits eine komplett geschlossene Tagungsreihe vereinbart werden: 2014 Bochum (Ästhetik), 2015 Stuttgart (Ästhetik), 2016 Saarbrücken.
Die Herausgeberschaft von "Sprache und Sprechen" wurde verändert. Die DGSS @ktuell und der aktuelle Tagungsband werden die ersten Herausforderung sein.
Bericht der Vorsitzenden der Berufskommission:
Die BeKo kümmert sich um die Präsentation des Podiums auf den Tagungen, Arbeitsmarktfragen wie z. B. Krankenkassenabrechnungen, die Kooperation mit Zusatzausbildung (u.a. Entspannungspädagogik) und Serviceangebote wie Neulandrabatte und kostenlose Grundmitgliedschaft bei Trainerversorgung. Weitere Informationen zu diesen Themen finden sich auf der Internetseite unter Verein/Mitglied. Darüber hinaus bearbeitet die BeKo Fort- und Weiterbildungsfragen, betreut den Traineralmanach (der mittlerweile durch die Mitglieder selbst gepflegt werden kann) sowie die DGSS-Zertifikate für Schüler und Erwachsene.
Bericht des Studierenden-Vorstandes:
Zu Himmelfahrt hat das alljährliche Forum der Studierenden in Göttingen zum Thema "Sprech(t)räume"mit 35 Teilnehmern stattgefunden. 2012 wird das Forum in Regensburg stattfinden. Größtes Thema bei den Studierenden ist derzeit das Netzwerken, so haben sie z. B. mittlerweile ein eigenes facebook-Forum eingerichtet.
TOP 4: Bericht der Rechnungsprüfer
Roland Wagner und Christian Gegner haben die Belege geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kassenführung sehr sorgfältig gelaufen ist.
Sie geben insgesamt drei Empfehlungen:
Die Kassenprüfer bedanken sich beim Kassenwart Björn Meissner.
TOP 5: Entlastung des Vorstandes
Roland Wagner bittet die anwesenden Mitglieder um Entlastung des Vorstandes.
Die Entlastung des Vorstandes erfolgt einstimmig bei 6 Enthaltungen.
TOP 6: Neuwahlen
Norbert Gutenberg wird zum Wahlleiter bestimmt. Auf Nachfrage von Christa Heilmann wird keine geheime Wahl beantragt. 51 Wahlberechtigte sind zu diesem Zeitpunkt anwesend.
Norbert Gutenberg erklärt die Wahl für beendet.
TOP 7: Verschiedenes
Es erfolgt ein Dank an die scheidende Vorsitzende Christa Heilmann und die Begrüßung der neuen Vorsitzende Brigitte Teuchert.
Außerdem wird der Tagungsleitung gedankt.
Termine:
Protokollantin:
Mareike Claus
(Schriftführerin der DGSS)
Als hätten sie gewusst …
… von den Vorträgen und Workshops des supertalentierten wissenschaftlichen Nachwuchses, plakatierte RTL pünktlich zum Beginn der DGSS-Tagung in Flensburg:

(aufgenommen am Nachmittag nach Tagungsende im Berliner Ostbahnhof)
Ausgabe November 2011 - ISSN 2191-5032
Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft für Sprechwissenschaft
und Sprecherziehung e. V. (DGSS)
Internetadresse: http://www.dgss.de
1. Vorsitzende:
Dr. Brigitte Teuchert
Kreuthweg 18
84056 Rottenburg
Tel.: +49 (0)8781 3475
Fax: +49 (0)8781 3575
E-Mail: vorsitzdgssde
Wissenschaftliche Prüfung:
Prof. Dr. habil. Lutz-Christian Anders, Prof. Dr. habil. Ines Bose,
Prof. Dr. habil. Norbert Gutenberg, Prof. Christoph Hilger, Prof.
Dr. habil. Baldur Neuber, Prof. Dr. Bernd Schwandt
Redaktion:
Kai Busch
DGSS-Geschäftsstelle
Petersburger Str. 37
10249 Berlin
Tel.: +49 (0)30 420 27 684
Fax: +49 (0)30 420 27 685
E-Mail: geschaeftsstelledgssde
Briefe, Hinweise und Artikel von DGSS-Mitgliedern werden weitmöglichst ungekürzt und unzensiert abgedruckt. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion bzw. des DGSS-Vorstands wieder.