In dieser Arbeit sind fünf Sprechfassungen des Gedichts ‚Die gestundete Zeit' beschrieben und hinsichtlich ihrer "Angemessenheit" bewertet worden.Grundlage dafür ist eine literaturwissenschaftliche Interpretation des Gedichts, die die intensive Auseinandersetzung mit textuellen und kontextuellen Faktoren beinhaltet. (Sie ist auf der Grundlage von Bühlers Organon-Modell entstanden, das Hellmut Geißner in einen Situationskreis eingeschlossen und gedoppelt hat).
Diese Interpretation fungiert dann als Norm, um die "Angemessenheit" der Sprechfassungen zu bewerten.
Der konkrete sprechkünstlerische Kommunikationsprozeß konstituiert sich jedoch noch aus zwei weiteren Faktoren, die bei der Bewertung der "Angemessenheit" eine Rolle spielen: aus der Selbststellung der SprecherInnen zum Text und aus der Wirkung auf HörerInnen. Erneut wird Bühlers Organon-Modell angewandt: es dient dazu, die Sprechfassungen in ihrer Komplexität systematisch zu beschreiben und in ihrer Text- und Situationsangemessenheit zu bewerten.